Anreize für die Wochenendarbeit
Anreize für die Wochenendarbeit

Wie funktioniert die Dienstplangestaltung, wenn die Anzahl der Mitarbeiterinnen nicht ausreicht, um die Wochenenden mit der gleichen Anzahl von Kräften zu besetzen wie in der Woche? In diesem Artikel erhalten Sie wertvolle Tipps, um Anreize für die Wochenendarbeit zu setzen.

Da in vielen Einrichtungen der Spätdienst schon knapp besetzt ist, wird oft im Frühdienst eine Mitarbeiterin bei der Wochenendplanung eingespart. Zum Beispiel werden in der Woche fünf Pflegekräfte eingesetzt, aber am Samstag und Sonntag nur vier. Es muss die gleiche Arbeit erledigt werden wie in der Woche. Die zumeist angeführte Zeitersparnis mit geringeren administrativen Tätigkeiten wie Arztvisite und deren Ausarbeitung usw., hat oft nicht den entlastenden Effekt, wie immer behauptet wird. Am Wochenende sind Angehörige in den Einrichtungen zu Besuch, die sich auch darauf freuen, mit einer Pflegekraft zu sprechen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen zu finden.

Eine weitere Variante ist der geteilte Dienst. Die Mitarbeiterinnen arbeiten für ein paar Stunden am Morgen und kommen dann am späten Nachmittag wieder. Aus verschiedenen Untersuchungen ist bekannt, dass der geteilte Dienst die unbeliebteste Dienstform ist (siehe z. B. C. Platzköster, A. Zimo-long, Abschlussbericht inap-Innovative Arbeitszeitmodelle für Pflegeeinrichtungen, Düsseldorf 2008, S.32f)

Das „Aufraffen“ zum zweiten Teil des Dienstes wird als besonders anstrengend erlebt. Die Mitarbeiterinnen arbeiten im geteilten Dienst nur in den Arbeitsspitzen, nämlich bei der Morgen- und Abendtoilette. Diese Tätigkeiten sind oft mit körperlich schweren Aufgaben wie Transfers und Lagerungen verbunden. Dass es schwerfällt, sich da wieder zu motivieren, ist leicht nachvollziehbar.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich? 

Eine Handlungsoption ist sicherlich der Einsatz von teuren externen Dienstleistern. Diese wissen, dass Personal am Wochenende heiß begehrt ist und lassen sich dies gut bezahlen. Die Nachfrage bestimmt den Preis und 19 % Mehrwertsteuer kommen noch dazu.

Eine vielleicht günstigere Alternative dazu ist, den Pflegekräften grundsätzlich am Sonntag einen „satten“ Zuschlag zu zahlen. Ein Teil der zusätzlichen Kosten für den notwendigen Einsatz eines Personaldienstleisters könnte auch an die Mitarbeiterinnen weitergegeben werden. Organisatorisch besteht ein Wochenenddienst immer aus dem Sonnabend und Sonntag und für den Sonntagsdienst gibt es z. B. Zuschlag von 100 Prozent. Je nach notwendigem Umfang des Einsatzes von Personaldienstleistern kann die genaue Höhe hierbei von Einrichtung zu Einrichtung variieren. Der Zuschlag sollte aber so bemessen sein, dass er den Mitarbeiterinnen auch wirklich attraktiv erscheint.

In der Mitarbeiterschaft gibt es oft Kolleginnen, die gerade eine Anschaffung, einen Urlaub usw. planen. Hier kann ein steuerfreier Sonntagszuschlag motivieren, zusätzliche Dienste zu übernehmen. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass ein Freizeitausgleich in der Woche erfolgt. Es wäre für alle eine „win-win-Situation“. Die Mitarbeiterinnen hätten durch den steuerfreien Sonntagszuschlag ein höheres Einkommen. Dem Betrieb würden weniger Kosten entstehen als durch den Einsatz von Fremdpersonal und der Bewohner würde durch ihm bekannte Pflegekräfte versorgt. Außerdem ist es doch besser, wenn die Mitarbeiterinnen zusätzliche Wochenenden im eigenen Betrieb arbeiten, als wenn sie als 450,-€ Kraft zu einem Mitbewerber gehen.

Zusatzleistung an Erledigung der Aufgaben geknüpft

Der Zuschlag kann möglicherweise bewirken, dass die gesundheitsbedingte Ausfallquote an den Wochenenden sinkt. Nichts ist anstrengender und belastender für eine Mitarbeiterin, als an ihrem freien Wochenende einspringen zu müssen. Es ist allgemein bekannt, dass es „Grenzsituationen“ bei bestimmten Personen gibt. Die Mitarbeiterin ist gesundheitlich „leicht angeschlagen“ und könnte eigentlich am Wochenende arbeiten (natürlich nur, wenn sie nicht ihre eigene und die Gesundheit anderer gefährdet). Wenn der Wochenenddienst nicht attraktiv genug ist, dann bleibt diese Mitarbeiterin unter Umständen zu Hause. Da der Zuschlag von 100 Prozent nur zur Auszahlung kommt, wenn der Dienst geleistet wird, kann dies motivierend wirken.

Dieses „Bonbon“ hilft natürlich nicht bei einer Arbeitsunfähigkeit. Niemand soll zu Schaden kommen. In diesem Punkt kann den Mitarbeiterinnen vertraut werden, dass sie über eine hohe Eigenverantwortlichkeit verfügen.

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit bei einer geringeren Anzahl von Kräften wäre, das Wochenende wirklich zu entlasten. Welche Möglichkeiten bieten sich hier an? Der Wegfall von Aufgaben und Arbeiten, die nur in der Woche anfallen, stellt keine wirkliche Entlastung dar. Regeltätigkeiten zu reduzieren ist jedoch eine Gratwanderung, die einrichtungsspezifisch gut durchdacht sein will.