Bevölkerungsschutz trifft Pflege
Bevölkerungsschutz trifft Pflege

Die Bundesregierung hat im Sommer 2016 ihr neues Bevölkerungsschutzkonzept auf den Weg gebracht. Hiernach sollen insbesondere die Bereiche Selbsthilfefähigkeit und Betreuung wesentlich stärker betrachtet werden als dies bisher der Fall war.


In diesem Zusammenhang fand im November 2017 ein Fachkongress an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (AKNZ/BBK) statt, an dem auch Vertreter der Gesundheits- und Sozialministerien des Bundes und der Länder teilnahmen. Die anlaufenden Planungen verfolgen erstmalig in der Geschichte des Bevölkerungsschutzes in Deutschland das Ziel, eine konsequente Verzahnung der Fachbereiche Betreuung (Bevölkerungsschutz) und der Pflege herzustellen.

Menschen mit Demenz haben in Notfalllagen erhöhten Hilfebedarf

Vor dem Hintergrund der Auswertung von großflächigen Evakuierungsszenarien im In- und Ausland wird deutlich, dass gerade die chronisch erkrankten Menschen und Menschen mit Demenz in einer Notfalllage einen erhöhten Hilfebedarf haben. Eine weitere Erkenntnis: Die primär rettungsdienstlich ausgerichtete medizinische Sichtung mit ihren Sichtungskategorien (SK) I (sofortiger Behandlungsbedarf) bis IV (abwartende Behandlung und Betreuung) erfasst in ihrer Abstufung nicht die besondere Bedarfslage bei Leichtverletzten (SK III) und SK IV im Hinblick auf eine eventuell länger dauernde behelfsmäßige Unterbringung. Hier bedarf es der Fachkunde des Pflegepersonals der ambulanten und stationären Pflegedienste.

Das BBF-Forum beteiligt sich seit längerem an einem die medizinische Sichtung ergänzenden Procedere, das unter Einbindung von Pflegefachpersonal eine bedarfsorientierte Pflege und Betreuung sicherstellen soll. Die Grundlage bieten die Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches. Ein entsprechender Vorschlag für ein solches Verfahren „Betreuungssichtungskategorie (BSK)“, wurde jetzt dem Planungsausschuss zur Beurteilung vorgelegt.
In diesem Vorschlag wird die Fachexpertise der Pflegefachperson besonders herausgestellt, da sie künftig diejenige sein wird, die die Sichtung im Zusammenwirken mit dem leitenden Notarzt durchführen wird.

Bundesplanung sieht größere Betreuungsdiensteinheiten vor

Weiterhin sieht die Bundesplanung künftig auch deutlich größere Betreuungsdiensteinheiten in der sogenannten Verbandstärke oberhalb der kommunalen Gefahrenabwehr vor. Das sind Einsatzeinheiten, die eine sehr große Zahl von Betroffenen zum Beispiel aus vielen Pflegeeinrichtungen mehrerer Gebietskörperschaften (Kreis oder Kreisgruppe) betreuen können sollen. Diese Einheiten sollen pro Bundesland zentral aufgestellt werden. Auch hierfür liegt dem Planungsausschuss ein erster Gliederungsentwurf von BBF-Forum vor. Dieser sieht die konsequente Beteiligung von Pflegepersonen vor, um die Bedarfslage besser abdecken zu können.

Bereits jetzt bietet das BBF-Forum Seminare zu Themen des Notfallmanagements und des Arbeitsschutzes als Inhouse-Schulungen und als zentrale Schulungen an seinem Standort in Busdorf bei Schleswig an. In diesen Seminaren werden schwerpunktmäßig auch Fragen der Räumung und der behelfsmäßigen Unterbringung bis hin zur Erarbeitung eines Notfallkonzepts behandelt.

Ein Artikel von Andres Bernhardt