Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe“ wurde aktualisiert – Was ändert sich?
Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe“ wurde aktualisiert – Was ändert sich?

Der aktualisierte Expertenstandard Dekubitusprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) erscheint im März 2018. Der Aufbau des Expertenstandards wurde verändert. Er folgt jetzt klarer der Logik des Pflegeprozesses. Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe müssen jetzt mit dem Betroffenen gemeinsam vereinbart werden. Mobilitätsförderung wird als zentrale Maßnahme zur Dekubitusprophylaxe gesehen. Zudem werden die Einrichtungen noch stärker in die Verantwortung genommen, Strukturen für eine zielgerichtete Dekubutisprophylaxe zu schaffen .

Strukturmerkmale an die Einrichtung

Die Einrichtungen müssen die Dekubitusprophylaxe im Rahmen einer Verfahrensregelung organisieren. Ebenso werden die Einrichtungen aufgefordert, Informations- und Schulungsmaterial zur Dekubitusprophylaxe für Angehörige und Klienten zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen des internen Qualitätsmanagements sind Verfahren zu etablieren, um Zahlen der Dekubitushäufigkeit und zur Wirksamkeit der Dekubitusprophylaxe zu ermitteln und zu analysieren. Dies kann als ein vorbereitender Schritt für die Arbeit mit den zukünftigen Qualitätsindikatoren gesehen werden. Mögliche Qualitätsindikatoren für das interne Qualitätsmanagement wurden bei der Revision des Standards entwickelt. Diese Indikatoren wurden im Praxistest in 30 Einrichtungen erprobt. Die Auswertung der Ergebnisse werden der Fachöffentlichkeit auf dem Netzwerk-Workshop in Berlin vorgestellt.

Anforderungen an den Pflegeprozess

Unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrages wird bei allen Klienten systematisch durch ein initiales Screening das Dekubitusrisiko eingeschätzt. Wenn ein Dekubitusrisiko nicht ausgeschlossen werden kann, erfolgt eine differenzierte, rein pflegefachliche Einschätzung. Das Ergebnis des Screenings bzw. der differenzierten Einschätzung wird in der Pflegedokumentation festgehalten.

Das wesentliche Einschätzungskriterium des Dekubitusrisikos sind die Mobilität und der Unterstützungsbedarf darin. In dem neuen Standard wird nicht mehr zwischen Aktivität und Mobilität unterschieden, sondern es wird ausschließlich der Begriff Mobilität verwendet. Die Definition des Begriffes Mobilität wurde aus dem Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ übernommen.

Das zentrale Handeln bei der Dekubitusprophylaxe liegt in der Förderung der Eigenbewegung des Klienten durch unterstützende und/oder motivierende Maßnahmen. Die individuell festzulegenden Maßnahmen werden auf der Basis des Beratungs- und Aushandlungsprozesses mit dem Klienten vereinbart. Ist dieser nicht mehr eigenständig entscheidungsfähig, wird der gesetzliche Vertreter und/oder Angehörige hinzugezogen. Die Selbstbestimmtheit des Klienten ist im Rahmen der Maßnahmenplanung handlungsleitend.

Wie im vorherigen Standard ist die Druckentlastung der Druckverteilung vorzuziehen. Wenn die Eigenbewegung aufgrund von eingeschränkter Mobilität beim Klienten nicht ausreicht, werden Maßnahmen zur Förderung der Eigenbewegung durch druckentlastende Maßnahmen ergänzt. Hierzu ist im Anhang des neuen Expertenstandards eine hilfreiche Übersicht zu möglichen Positionierungen und deren Evidenzgrundlage dargestellt. Die Zeitintervalle für einen Positionierungswechsel hängen von der individuellen Gewebetoleranz des gefährdeten Hautbereiches ab und müssen individuell geplant werden.

Der Umfang der Unterstützungsleistung während der Positionierung wird klientenbezogen und handlungsleitend in der Pflegedokumentation beschrieben.

In dem neuen Expertenstandard wird deutlich betont, dass lange Sitzzeiten im Rollstuhl durch Förderung der Bewegung und zwischenzeitliche Druckentlastungen zu reduzieren sind. Ist der Einsatz von druckentlastenden und –verteilenden Hilfsmitteln erforderlich, hat die Einrichtung sicherzustellen, dass diese unverzüglich zugänglich sind. Der neue Expertenstandard beinhaltet eine Übersicht zu den derzeit verfügbaren Matratzen- und Auflagetypen.

Das Dekubitusrisiko des Klienten ist in individuell zu bestimmenden Zeitabständen neu zu beurteilen. Im Rahmen der Beurteilung erfolgt eine Evaluation der Effektivität der prophylaktischen Maßnahmen. Diese sind dann, je nach Ergebnis der Evaluation, neu mit dem Klienten auszuhandeln.

Neu ist auch noch

In dem aktualisierten Standard wird in Anlehnung an die Nationale Pressure Ulcer Advisory Panel (NPUAP) und der European Pressure Advisory Panel (EPUAP) und Panel Pacific Pressure Injury Alliance (PPPIA) nicht mehr von Dekubitusgraden, sondern von Dekubituskategorien gesprochen.

BBF-Forum hat bereits die Neuerungen in der Arbeitsanweisung zu dem Expertenstandard Dekubitus eingebracht. Diese stehen für unsere Quapen Kunden als Download zur Verfügung. Die Schulungsunterlagen werden zurzeit überarbeitet und in einem veränderten Design noch im ersten Halbjahr 2018 erscheinen. Die bis dahin veröffentlichten Qualitätsindikatoren sind dann enthalten. Gern vermitteln wir Ihnen und Ihrem Team die aktuellen Inhalte des Expertenstandards im Rahmen einer praxisorientierten Fortbildung für ihre Einrichtung.

Für weitere Informationen können Sie auch direkt im den neuen Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe“ nachlesen.

Ein Artikel von Elke Brink